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Erster Gast muss mithelfen

Mühle-005Trotz des kühlen Wetters konnten sich Reinhard Beckmann (Mühlenführungen) sowie Helga Beckmann und Gabi Koschollek (Imbiss) am Mühlentag über mangelndes Besucherinteresse nicht beklagen. Von der Eröffnung um 10 Uhr bis weit in den Nachmittag hinein kamen Besucher per Fahrrad, Motorrad, Pkw und sogar zu Fuß zur Mühle, deren Flügel sich im Winde drehten und somit kundtaten: Hier ist heute etwas los. Korn zu Mehl gemahlen wurde zwar nicht, aber die Besucher erfuhren viel Interessantes über die Geschichte dieses technischen Denkmals, dessen Rekonstruktion und die Arbeit des Windmühlen- und Heimatvereins Meseberg, ohne den von der alten Mühle nur ein Haufen Brennholz übrig geblieben wäre.

Der Mühlentag findet seit 23 Jahren generell bundesweit am 2. Pfingstfeiertag statt. Er soll eine breite Öffentlichkeit auf diese Zeugen der Technikgeschichte, so sie denn noch bestehen, aufmerksam machen und für ihren Erhalt begeistern. Es zeigt sich immer wieder: Mühlen locken die Fans alter Getriebe ebenso an wie Großstädter, die vom Landlust-Virus infiziert sind.

„Erster Besucher heute“, berichtet Vereinsvorsitzender Bernhard Sasse der Volksstimme, „war gleich nach der Eröffnung ein Gewürzmüller aus Hamburg, der sich unsere Mühle einfach mal anschauen wollte. Beim Anlaufen des Flügelwerks hörten wir, dass irgendetwas nicht stimmte; es waren ein paar Zähne auszuwechseln, und dabei hatte der Hamburger gleich mitgeholfen.“

Besucher von weiter her, beispielsweise aus den Gegenden Dresden, Lüneburg und Ludwigslust, ersichtlich aus den Kfz-Kennzeichen, waren gleichsam so wissbegierig wie die aus der hiesigen Region. Wolf und Birgit Gille aus Arensberg bei Bismark ließen sich das Innere der Mühle und deren Wirkungsweise ebenso erklären wie das Zahnarztehepaar Anselm und Mechthild Baudisch aus Uchtspringe. „Von der Mühle bei uns ist nur noch der Mühlenweg übrig geblieben; sie existiert nur noch als Flurstück auf der Karte. Ich habe sie gar nicht mehr kennengelernt“, bedauerte Wolf Gille. „Was der Verein hier geleistet hat, beeindruckt uns.“

Das gleiche Lob für die Arbeit des Vereins äußerte wenig später auch Anselm Baudisch, der sich seit längerem vorgenommen hätte, an einem Mühlentag auch der Meseberger Mühle Aufmerksamkeit zu schenken: „Ich bin begeistert, dass sie, obwohl eine Rekonstruktion, schon die Flügel drehen lässt. Sicher wird auch das Mahlwerk funktionieren, wie uns bei der Führung gesagt wurde.“

1586 war in Meseberg, nahe Wenddorf, die erste Bockwindmühle errichtet worden, die 1832 von einem schweren Sturm zerstört wurde. Eine im Jahr 1812 erbaute Mühle in Calberwisch wurde 1850 von Johann Christian Dassler nach Meseberg umgesetzt und auch betrieben. Sein Sohn Karl Friedrich Wilhelm Dassler wanderte 1875 nach Neuseeland aus. Bis etwa 1930 befand sich die Mühle im Besitz der Familie Böllsdorf. In den 1930-er Jahren war Alfred Beckmann Eigentümer der Mühle. Ihm folgte Anfang der 40er Jahre Erich Wollangk, der bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts Getreide zu Schrot und Mehl verarbeitete. Antriebskraft war zuletzt elektrischer Strom.

Mit dem Einstellen der Mahltätigkeit begann der Verfall der Mühle. Fast fünf Jahrzehnte dauerte dieser Prozeß, der erst im Jahr 2007 aufgehalten werden konnte. Der Meseberger Windmühlen- und Heimatverein kümmerte sich ab 2007 um den Wiederaufbau, 150 Meter von ihrem historischen Standort entfernt. Mit einem Nachfahren Dasslers in Neuseeland steht der Verein, der bei seinem Vorhaben neben Fördermaßnahmen von jenem unterstützt worden war, noch heute in Verbindung.

 

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